Tue Gutes … und och joa, halt doch ruhig auch mal die Klappe

Es ist Mitte November, man spürt schon das Jahresende und somit Weihnachten kommen – und damit auch die ganzen Meldungen, wer sich für wen oder was eingesetzt, gespendet und engagiert hat.

Was sich vor noch nicht allzu langer Zeit nur auf diese Jahreszeit beschränkte, begegnet uns inzwischen das ganze Jahr über: in Form von Pressemitteilungen und Siegeln. Und da steht dann überall, wie gut, fair, umweltgerecht, nachhaltig, und vor allem klimaneutral ein Produkt hergestellt oder eine Dienstleistung erbracht wurde.
Was zunächst mal gut scheint, wird zunehmend lächerlich – spätestens dann, wenn man als Konsument das Gefühl hat, man kann eigentlich nichts mehr kaufen ohne Gutes zu tun – für die Umwelt, für die Erde, für uns alle.
Und wenn – wie vor ein paar Jahren – die Atomindustrie in der wahrlich gut gemachten Broschüre „Die ungeliebten Klimaschützer“ sich allen ernstes als Öko-Lobby positioniert, dann scheint der Weg nicht mehr weit, bis auch die ersten Kriege nicht mehr nur humanitär, sondern auch noch klimaneutral geführt werden. Indem man für jede Bombe einen Baum pflanzt oder so. Gibt es dafür eigentlich auch schon ein Siegel? Aber nee, das führt jetzt zu weit.

Bleibe ich doch mal bei meinem beruflichen Alltag. Und so staunte ich nicht schlecht, als mir vor einer Weile eine Agentur begegnete, die für jeden Neukunden einen Baum pflanzt. Oder die Pressemitteilung eines großen Unternehmens, das sich mit dem Erhalt eines Umweltpreises brüstete, weil es doch tatsächlich die Büros auf Mehrweg-Tassen umgerüstet hat. (Wer erfindet eigentlich derart lächerliche Prämierungen?) Und nicht zuletzt auch, als in einem Ausschreibungstext auch Umweltzertifizierungen abgefragt wurden. Habe ich keine als kleine Grafik-Klitsche – trotz Mehrwegkaffeebecher, Dienstfahrrad und Ökostrom.

Wenn die gute Tat nicht mehr der Tat wegen getan wird, sondern zu einem Marketing-Instrument verkommt, das den Verkauf befördern soll und uns allen das Gefühl gibt, eigentlich alles so weitermachen zu können wie bisher – dann ist es Zeit den alten Grundsatz „Tue Gutes und rede darüber“ zu überdenken. Und bis man zu einem Ergebnis gekommen ist, kann man ruhig auch mal still sein. Damit die gute Tat wieder um ihrer selbst willen getan wird und nicht für den Effekt.

„Wer gutes tun will, muss es verschwenderisch tun.“ Martin Luther.

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