Wie es ist, wenn man nicht weiß wie

Wie überzeugt man Menschen davon, sich für eine Stiftung zu engagieren? Klar – indem man davon überzeugt, daß eine Stiftung einen sinnvollen Zweck verfolgt. Im Falle einer Stiftung für Menschen mit Behinderung geht es also darum, Behinderung erfahrbar zu machen. Und so läßt die Broschüre der Mittelrheinischen Stiftung für Menschen mit Behinderung den Betrachter zunächst mal ziemlich ratlos sein, wenn er sich einer schwarzen Doppelseite, lediglich mit einer Braille-Prägung versehen, gegenüber sieht: Was steht da, was soll das, wie orientiere ich mich hier? Sehbehinderte im Vorteil – auch wenn es darum geht zu erkennen, daß die Folgeseiten der Broschüre mit wechselnden Papiersorten auch eine haptische Dimension bieten. Bedruckt und für normale Menschen les- und sehbar sind die Folgeseiten dann aber doch. Und zeigen zwischen den Texten, die den Stiftungszweck beschreiben, immer wieder Experimente, die dazu auffordern, sich in die Rolle eines Menschen mit Behinderung zu versetzen: Essen mit einer Hand und Fausthandschuhen, Zähne putzen mit linker Hand (als Rechtshänder) und verbundenen Augen und derlei mehr machen deutlich, was es bedeutet, mit einer körperlichen Einschränkung zu lesen.

Immer wieder fragen mich Leute, was denn „Kommunikationsdesign“ bedeutet – wahrscheinlich genau das: Daß man nicht nur etwas „aufhübscht“, sondern daß man sich mit einem Inhalt auseinandersetzt und Bilder findet, diesen zu vermitteln. Dafür ist die Broschüre der Mittelrheinischen Stiftung für Menschen mit Behinderung ein gelungenes Beispiel.

Infos:
Entstehungsjahr 2008/2009
Entwicklung von Signet und Erscheinungsbild, Gestaltung einer Broschüre, Format 21*28 cm, inklusive Inhalts-Konzept, Fotografie, Text und Info-Grafiken.